Leitbild des Fachverbands Wissenschaftsgeschichte
Der Fachverband Wissenschaftsgeschichte setzt sich dafür ein, die Stärken der klassischen Wissenschaftsgeschichte mit zukunftsweisenden Perspektiven der Wissensgeschichte produktiv zu verbinden. Wir stehen für Forschungstraditionen, die durch methodische Strenge, kritische Reflexion und ein tiefes Verständnis spezifischer Wissenschaften – ihrer Begriffe, Praktiken und Institutionen – geprägt sind und deren gesellschaftliche Einbettung über Epochen hinweg analysieren. Zugleich erkennen wir die Notwendigkeit an, den Blick zu weiten: Unser Ziel ist eine historisch fundierte und theoretisch reflektierte Auseinandersetzung mit Wissen in all seinen Formen und Kontexten. Dazu gehört insbesondere die Einbeziehung von Wissensformen außerhalb des eurozentrischen Kanons – etwa aus handwerklichen, religiösen, indigenen oder administrativen Zusammenhängen. Der Dialog mit anderen Kulturen, Zeiten, Methoden und Sprachen ist für uns unerlässlich. Indem wir die analytischen Stärken der Wissenschaftsgeschichte mit der Offenheit und Pluralität der Wissensgeschichte verbinden, schaffen wir einen Raum für eine kritische und global orientierte Forschung. Der Fachverband unterstützt Wissenschaft, Lehre und öffentlichen Diskurs, die nicht nur das Beste der eigenen Tradition bewahren, sondern sie auch fruchtbar machen für die Herausforderungen einer vernetzten und umstrittenen Welt.
Aufgabenbereiche
Der Fachverband dient sowohl als Forum zur Diskussion der Wissenschaftsgeschichte in ihrer Organisation und ihren Strukturen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum als auch als Vertretung des Faches gegenüber etwa Hochschulverwaltungen und Ministerien oder auch der Öffentlichkeit allgemein. Er stellt sich die Aufgabe, den aktuellen Stand von Lehrangebot, -personal und Ausstattung zu verfolgen, Beiträge und Anstöße zur Entwicklung der wissenschaftshistorischen Lehre zu leisten und das Fach nach außen zu vertreten.
Monitoring, überregionale Vergleiche, Angebotslücken
Der Fachverband verfolgt und diskutiert die Entwicklung des Lehrangebots, der Zahl und Struktur der Lehrkörper und ihrer Ausstattung. Dabei geht es zum einen um Stellensituation, Nachwuchsmöglichkeiten, Geschlechter- und Altersstruktur sowie Diversität und zum anderen um die Veränderung von Themen und inhaltlichen Schwerpunkten, wie sie sich in der Lehre und den Qualifikationsarbeiten zeigen.
Entwicklung von Lehrangebot, Lehrprofil und deren überregionale Vernetzung bzw. Koordination
Der Fachverband setzt sich dafür ein, für die Wissenschaftsgeschichte als eigenes Studienfach, aber auch für die Angebote der Wissenschaftsgeschichte für Curricula der Objektdisziplinen, der Geschichtswissenschaften oder auch der Wissenschaftsphilosophie Anregungen für Lehrprofile zu geben. Dies kann etwa in Modellstudiengängen, interuniversitären (Promotions-)Studiengängen, bei der Modularisierung in Bachelor- und Master-Studiengänge oder in interdisziplinären Wahlbereichen geschehen.
Promotionsstudium
Der Fachverband unterstützt die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch die Mitgestaltung und Begleitung von Promotionsprogrammen, durch fachliche Vernetzung sowie durch die Förderung von Sichtbarkeit und Qualität wissenschaftshistorischer Qualifikationsarbeiten.
Fachvertretung im akademischen und öffentlichen Raum
Der Fachverband nimmt seine Stimme im Nationalkomitee der IUHPST/DHST (International Union of the History and Philosophy of Science and Technology) wahr und ist Ansprechpartner für die Vertretung der Interessen des Fachs Wissenschaftsgeschichte gegenüber Hochschulleitungen und Fakultäten. Des Weiteren wäre etwa auch eine (erneute) Verankerung wissenschaftshistorischer Inhalte in den Lehramtsstudiengängen anzustreben.
Darüber hinaus bietet er sich als Vermittlung zwischen Fachgebiet und Gesellschaft an und strebt perspektivisch an, sich in öffentlichen Diskursen über Wissenschaft einzubringen sowie stärkere Verbindungen zu anderen Fächern, Verbänden und Fachgesellschaften herzustellen.